Samstag, November 25, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Was ist (Micro)Factoring?

| Foto: Coloures-Pic (Fotolia.de)

Alternatives Forderungsmanagement

Wer kennt das nicht? Man erbringt seine Leistung, geht oftmals noch in Vorleistung für Material, Lohn und anderen Kosten und der Kunde zahlt spät, nur einen Teil oder gar nicht. Dies führt von Liquiditätsengpässen bis hin zur existenziellen Bedrohung.

Ein mögliches Mittel hier das Risiko zu minimieren, Zahlungsausfälle einzudämmen und etwas mehr Planungssicherheit zu generieren ist das so genannte Factoring.

Factoring (lateinisch factura „Rechnung“) ist ein Anglizismus für die gewerbliche, revolvierende Übertragung von Forderungen eines Unternehmens (Lieferant, Kreditor) gegen einen oder mehrere Forderungsschuldner (Debitor) vor Fälligkeit an ein Kreditinstitut oder ein Spezialinstitut (Factor). Quelle: Wikipedia

Inkasso vs. Factoring | Der Unterschied zum Inkasso liegt darin, dass Inkassounternehmen überfällige Forderungen eintreiben, mit oder ohne Erfolg. Beim Factoring hingegen wird die Forderung verkauft. Man hat also das Geld schneller und (so der Factor übernimmt) ohne Ausfallrisiko. Sowohl beim Inkasso als auch beim Factoring fallen Kosten an.

Während das Factoring bisher eher großen Unternehmen mit großen Rechnungssummen und ensprechend hohen Kosten zur Verfügung stand, ist das Micro-Factoring auf die Bedürfnisse des Klein- und Mittelständigen Unternehmens und Freiberufler zugeschnitten. Und zwar je nach Anbieter auch in unterschiedlicher Flexibilität.

Einer der ersten Anbieter, speziell für Microfactoring, in Deutschland ist das Unternehmen bezahlt.de, bei welchem man den Service ohne Rahmenvertrag und mit Rechnungen zwischen 1 bis 100.000 EUR nutzen kann. Ab 10.000 EUR Jahresumsatz ist man zum Beispiel bei microfactoring.de dabei.

Wie funktioniert es? | Im Prinzip verkaufen Sie Ihre Forderungen an den Factor. Stark vereinfacht funktioniert das bei den meisten Factoring- / Microfactoringanbietern wie folgt: Man reicht eine oder mehrere Rechnungen ein, welche noch nicht bezahlt oder überfällig sind und erhält innerhalb von ein bis mehreren Tagen den Rechnungsbetrag, abzüglich der Gebühren, auf das Firmenkonto überwiesen.

Eventuell kann der Betrag auch in zwei oder mehr Schritten überwiesen werden. Z.B. Sofort 70% und den Rest (abzüglich der Gebühren) nach Begleichung der Rechnung durch den Kunden. Dies ist aber so individuell wie die verschiedenen Anbieter und ihre einzelnen Factoring-Angebote.

Wie kann ich den Service nutzen? | Zuerst muss man sich bei einem Factoring-Anbieter seiner Wahl registrieren. Je nach Modell und Angebot des Anbieters muss man sich für bestimmte Zeiten oder Umsätze verpflichten, bei anderen Anbietern hingegen lassen sich auch nur einzelne Rechnungen über diesen Service abtreten.

Bei allen Anbietern fallen Kosten für den Service an. Diese setzen sich je nach Anbieter unterschiedlich zusammen, meist ein vom Rechnungsbetrag prozentualer Abzug und/oder eine Grundgebühr.

Je nach Bedarf bieten sich jeweils unterschiedliche Modelle verschiedener Anbieter an, was eine vorherige ausgiebige Recherche zum Thema empfehlenswert macht. Sinnvoll ist es sicher auch, sich seinen Unternehmens- oder Steuerberater zu Rate zu ziehen, um mögliche Fehlentscheidungen von vorn herein auszuschliessen.

Mehr Informationen | finden Sie unter anderem im Internet beim Bundesverband Factoring für den Mittelstand (WebSite).

Über den Autor

Jahrgang 1973 - gebürtiger Leipziger - Chefredakteur des Handwerkskurier

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