Samstag, November 25, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Warum soll ich eigentlich meinen Bluthochdruck behandeln?

| Foto: Picture-Factory (Fotolia.de)

Immer wieder höre ich – vor allem von Männern – Sätze wie: „Ich habe meinen Blutdruck im Griff. Er schwankt zwar immer mal, aber meistens liegt er so um die 150 zu 100. Damit geht’s mir gut. Ich habe keine Probleme. Im Gegenteil: Als mir mein Arzt Blutdrucktabletten verschrieben hat, habe ich mich richtig elend gefühlt. Da habe ich sie gleich wieder abgesetzt.“ Oder, um noch eins drauf zu setzen: „Die Pharmaindustrie will doch nur Geld verdienen. Dafür werden sogar die Normwerte runtergeschraubt. Mit mir nicht!“

Dazu mal ein paar Überlegungen:

  • Allein im Jahr 2014 starben von allen Todesopfern in Deutschland 39 % an Krankheiten des Kreislaufsystems. Das waren 338.000 Menschen. Hauptrisikofaktor dieser Erkrankungen ist die Hypertonie, also Bluthochdruck. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
  • Gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren – das sind rund 45 Mio. Menschen – haben alle zwei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up. Sinn dieser Untersuchung ist die Früherkennung von Risikofaktoren u.a. für Herz-Kreislauferkrankungen. Warum bezahlen die Krankenkassen das wohl? Haben die zu viel Geld?

Nein, es stimmt einfach: Bluthochdruck kann tödlich sein! Und dem will man vorbeugen.

Und jetzt hör ich schon wieder die Vorsorgemuffel: „Muss ich auch noch wegen diesem lächerlichen Check-up meine kostbare Zeit beim Arzt absitzen?!“

Nein – müssen Sie nicht! Sie können auch hoffen, dass alles gut geht und der Kelch an Ihnen vorübergeht. Viel Glück!

Was ist Bluthochdruck eigentlich und was bewirkt er? | Definiert wird Hypertonie als eine dauerhafte Blutdruckerhöhung ab 140/90 mmHg. Einfach gesagt: das Blut fließt mit einem zu hohen Druck durch die Arterien. Bluthochdruck wurde schon einmal als der schleichende Tod bezeichnet. Warum? Das Tückische daran ist, dass man lange Zeit keine Beschwerden verspürt.

Stellen Sie sich einen Wasserschlauch vor, dessen Düse zugeschraubt ist. Was passiert, wenn man den Wasserhahn aufdreht? Nun – erst einmal nichts. Die Düse hält dicht und der Schlauch auch.

Nun stellen Sie sich aber vor, Sie könnten den Wasserhahn immer weiter und weiter aufdrehen und immer mehr Wasser in den Schlauch pressen. Was wird wohl passieren? Ist der Schlauch elastisch, kann er den steigenden Druck noch eine Weile kompensieren. Ist er dagegen spröde oder gar porös, dann wird er recht bald platzen.

Stellen Sie sich noch etwas Anderes vor: Sie haben den Schlauch jahrelang zum Gießen benutzt, aber Ihr Wasser ist stark kalkhaltig. So hat sich an den Wänden stellenweise eine Kalkschicht gebildet. Was passiert mit den Ablagerungen bei erhöhtem Wasserdruck? Ja klar, sie reißen von den Wänden ab, werden fortgespült – und bleiben in den feinen Poren der Düse hängen. Sie verstopft.

Nun übertragen wir das Ganze auf den Bluthochdruck: Blut fließt mit zu hohem Druck durch die Arterien. Wenn der „Schlauch“ die Hirnarterie ist, kommt es beim „Platzen“ zur gefährlichen Hirnblutung und beim „Verstopfen“ zum Hirninfarkt, umgangssprachlich auch Schlaganfall genannt.

Heißt der Schlauch „Herzkranzgefäß“, kommt es beim „Verstopfen“ zum Herzinfarkt. Vielleicht reißt aber auch die Hauptschlagader wie im Falle einer Aortenruptur.

Das sind allesamt lebensgefährliche Komplikationen. Sie können das Prinzip auf alle möglichen Körperregionen übertragen. Überall da, wo Blutgefäße sind, können diese entweder verstopfen oder reißen. Im Auge, in den Nieren, im Bauch, in den Beinen…

Da unsere Blutgefäße recht elastisch sind, können sie steigenden Druck eine ganze Weile verkraften. Aber schadlos geht das an ihnen nicht vorüber. Im Laufe der Zeit können sich winzig kleine Einrisse in der Gefäßinnenwand bilden. Über einen längeren Prozess von wiederkehrenden Entzündungen und kleinsten Vernarbungen entstehen an den Gefäßwänden arteriosklerotische Plaques. Der Volksmund spricht von Arterienverkalkung. Dadurch werden unsere Gefäße allmählich starrer und im Durchmesser enger.

Das führt dazu, dass sich unser Herz noch mehr anstrengen muss, um gegen den Gefäßwiderstand anzupumpen. Was passiert? Genau: der Blutdruck steigt weiter und mit ihm das Risiko für die oben genannten Komplikationen. Oder aber: das überlastete Herz quittiert eines Tages seinen Dienst. Deshalb: Tun Sie sich einen Gefallen und beugen Sie vor!

Auf welche Warnsignale sollte ich achten? | Wie schon gesagt: Bluthochdruck macht sich nicht immer bemerkbar. Hellhörig sollte man werden bei wiederkehrenden Schwindelattacken oder Schweißausbrüchen, Kopfdruck oder Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühlen im Brustkorb, bei Ohrensausen oder Sehstörungen. Baut der Körper schon durch wiederholtes Nasenbluten – also dem Platzen eines Blutgefäßes – Druck ab, ist es höchste Zeit zum Handeln!

„Ich will aber keine Tabletten schlucken!“ | Zunächst einmal: Bluthochdruck ist nicht gleich Bluthochdruck. Und folglich ist es mit der einfachen Gabe von Antihypertensiva (Blutdrucksenkern) nicht getan. In 10 % der Fälle ist die Hypertonie Folge einer anderen Ursache wie z.B. einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer chronischen Nierenentzündung. Diese gilt es dann zu ermitteln und zielgerichtet zu behandeln. Sonst bleibt es bei der bloßen Symptombekämpfung. Weitaus häufiger, nämlich in 90 % der Fälle, bleibt die Ursache für den Bluthochdruck allerdings unklar. Hier können Erbfaktoren, aber auch die falsche Ernährung und ein verhängnisvoller Mix aus Bewegungsmangel, Dauerstress und Übergewicht begünstigend wirken. Wer „keine Tabletten schlucken“ will, kommt nicht umhin, seine ungünstigen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu verändern. Geschieht dies frühzeitig, kann man oft die Einnahme von Medikamenten zumindest hinauszögern oder die Wirkstoffdosis minimieren.

Was kann ich selbst tun? | Zuallererst: Nehmen Sie die Gefahren, die von Bluthochdruck ausgehen, ernst! Nutzen Sie das Angebot eines Gesundheits-Check-ups.

Überlegen Sie, was Sie bei sich verändern können:

  • Bringen Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag, z. B. Treppe statt Fahrstuhl (nicht neu, aber hilfreich)
  • Treiben Sie moderaten Ausdauersport, z. B. Radfahren oder Nordic Walking (2-3 x pro Woche eine halbe Stunde)
  • Reduzieren Sie ggf. Ihren Alkoholkonsum (ja: Alkohol wirkt blutdrucksteigernd)
  • Essen Sie weniger Fertignahrung wegen ihres hohen Kochsalzgehalts
  • Reduzieren Sie Wurst und Fleisch, aber auch fettigen und salzigen Käse
  • Allgemein gilt: Vollwertkost statt Junk-Food (übrigens: Vollwertkost meint nicht „Körnerbrötchen“ – von manchen auch liebevoll „Vogelfutter“ genannt, sondern frisch zubereitete abwechslungsreiche Nahrung mit viel Obst und Gemüse und – ja – auch hochwertigem Getreide)
  • Und was ist mit Kaffee? Solange das nicht Ihre einzige Flüssigkeitsquelle ist, ist gegen 3-4 Tassen Kaffee über den Tag verteilt nichts zu sagen. Probieren Sie zur Abwechslung auch mal einen Kräuter- oder Früchtetee oder stilles Mineralwasser mit einem Spritzer Zitrone.
  • Wenn Sie ein Risikopatient sind (ab Werten von 130/85 mmHg), sollten Sie regelmäßig Ihren Blutdruck kontrollieren (morgens in Ruhe). Ich empfehle Ihnen, ein Blutdrucktagebuch zu führen. So können Sie Zusammenhängen zwischen Ihren Gewohnheiten und der Reaktion Ihres Kreislaufs auf die Spur kommen.
  • Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten zur Entspannung. Dazu gehört auch ausreichend Schlaf!

Ganz nebenbei: Bin ich ein „Muss-Mensch“? | Über Dauerstress und seine fatalen Folgen werde ich an anderer Stelle noch ausführlich schreiben. Im Zusammenhang mit Bluthochdruck nur so viel: Woran erkennen Sie, ob Sie ein „Muss-Mensch“ sind?

Hören Sie sich selbst einmal zu: „Ich muss noch die Kinder aus der Kita abholen … Ich muss noch für meine pflegebedürftige Mutter einkaufen… Du musst mir mal noch schnell einen Gefallen tun… Ich müsste mal wieder Urlaub machen…“ Muss-Menschen „müssen“ immer. Sie „können“ nicht – entspannen. Sie „dürfen“ nicht – Nein sagen.

Wer immer alles „muss“, lebt nicht wirklich frei und steht ständig unter Druck. Druck, der sich auch im Kreislauf niederschlagen kann. Hier können Achtsamkeits-Übungen, aber auch Psycho-Kinesiologie hilfreich sein, um innere Antreiber zu identifizieren und umzuschreiben.

Wie kann mir die Naturheilkunde weiterhelfen? | So vielfältig die Ursachen für Bluthochdruck sind, so vielfältig sind auch die Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen u.a. Aderlass und andere Ausleitungsverfahren, Akupunktur, Fasten (unter Anleitung), homöopathische Einzel- und Komplexmittel, Pflanzen wie die Rauwolfia, Mistel und Weißdorn, Entspannungsverfahren und Psycho-Kinesiologie.

Wenden Sie sich für Ihr maßgeschneidertes Therapiekonzept am besten an einen Heilpraktiker für Naturheilkunde oder naturheilkundlich erfahrenen Arzt.

Autorin: Juliane Kruse (Heilpraktikerin)

Über den Autor

Quelle oder Autor wird am Ende des Textes angegeben. Profilbild: Retro old typewriter with paper sheet © Maksim Kostenko (Fotolia.de)

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