Freitag, September 22, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Teilzeitanspruch – pro & kontra

Externe(r) Quelle / Autor 10. Februar 2017 Aus Soziales Keine Kommentare zu Teilzeitanspruch – pro & kontra
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Stimmen zum geplanten Teilzeitanspruch

 

Zentralverband des deutschen Handwerk warnt: Teilzeitanspruch provoziert Konflikte

Zu dem vom BMAS geplanten befristeten Teilzeitanspruch erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):

Ein befristeter Teilzeitanspruch entzieht den Handwerksbetrieben die Souveränität über die Arbeitszeitgestaltung und wird Personaleinsatzplanung weiter erschweren. Bereits der gegenwärtige Teilzeitanspruch stellt mittelständische Arbeitgeber, vor allem solche mit Filialbetrieben, vor große Herausforderungen. Mit einer weitergehenden Regelung droht eine unnötige zusätzliche Belastung der Handwerksbetriebe.

Es bleibt unklar, wie es bei einem Auftragsvorlauf von in der Regel vier bis sechs Wochen in kleinen und mittelständischen Betriebsstrukturen gelingen soll, über Jahre hinweg ein gewisses Zeitvolumen aufrecht zu erhalten. Unverständlich ist, dass der befristete Teilzeitanspruch den Beschäftigten anlassunabhängig gewährt werden soll. Eine Bindung an familiäre Pflichten, die sich aus der Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege ergeben können, soll es nicht geben. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.
Aus Sicht des Handwerks kann es nicht sein, dass jeder Beschäftigte das Rückkehrrecht ohne Weiteres für sich beanspruchen kann, nur, um beispielsweise für einen gewissen Zeitraum sein Hobby besser ausleben zu können, während Kolleginnen und Kollegen mit zeitlichen Engpässen im Zusammenhang mit familiären Betreuungs- und Pflegeproblemen zu kämpfen haben. Es darf nicht dem Arbeitgeber auferlegt werden, abzuwägen, welche Interessen seiner Beschäftigten im Streitfall höher wiegen. Innerbetriebliche Konflikte sind hier programmiert.

 


 

Bundesverband mittelständige Wirtschaft – Mario Ohoven: Nahles‘ Arbeitszeitmodell ist ein Tiefschlag gegen den Mittelstand

Zur geplanten Einführung eines Anspruchs auf zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit von Arbeitsministerin Andrea Nahles erklärt Mittelstandspräsident Mario Ohoven:

Ein Anspruch auf Teilzeitarbeit ist ein weiterer Tiefschlag gegen den Mittelstand. Die günstige Konjunktur ist kein Freifahrtschein für jede weitere Idee der Bundesarbeitsministerin, die letztlich auf Kosten des Mittelstands geht.

Mit diesem Vorhaben setzt das Bundesarbeitsministerium seinen mittelstandsfeindlichen Kurs gegen die Betriebe in Deutschland fort. Das Recht auf eine zeitlich befristete Verringerung der Arbeitszeit nimmt keine Rücksicht auf die Notwendigkeiten betrieblicher Abläufe gerade kleinerer und mittlerer Betriebe. Vielmehr werden den Unternehmen kostentreibende bürokratische Zwänge auferlegt.

Nach Arbeitsstättenverordnung, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und Entgeltgleichheitsgesetz stellt dieses Vorhaben eine erneute Verschlechterung unternehmerischer Rahmenbedingungen dar.

 


 

Deutscher Gewerkschaftsbund: Recht auf befristete Teilzeit – Wir brauchen ein modernes Teilzeitgesetz

Zu der nun beginnenden Ressortabstimmung zum Gesetzentwurf auf befristete Teilzeit äußert sich DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach wie folgt:

Die heutige Arbeitswelt erfordert ein modernes Teilzeitgesetz, dass den Beschäftigten mehr Flexibilität verschafft. Insofern begrüßen wir, dass das Thema nun ernsthaft angegangen wird.

Wir brauchen ein Recht auf befristete Teilzeit, das unabhängig vom Anlass gilt, damit Menschen sich Zeit nehmen können für Weiterbildung, Ehrenamt, oder auch für Kinder, außerhalb der Elternzeit – und dann wieder zurück zur Vollzeit kommen können. Wer Pinkelpausen kontrollieren kann, kann auch unbürokratisch flexible Arbeitszeiten ermöglichen.

Die unbefristete Teilzeit ohne Rückkehrrecht auf Vollzeit ist viel zu starr. Vor allem Frauen landen damit immer wieder in der Teilzeitfalle, die im Arbeitsleben und nachher in der Rente zu massiven finanziellen Nachteilen führt.

Dazu gehört, dass Beschäftigte auch das Recht haben, darüber mitzuentscheiden, wann sie arbeiten – wenn es darum geht, aufzustocken oder zu reduzieren oder auch bei gleichem Arbeitszeitvolumen. Dabei muss klar sein, dass die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes weiter gelten müssen. Sie sind schon zum Schutz der Gesundheit unverzichtbar.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann hat die Bundesregierung aufgefordert, den Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit schnell umzusetzen. „Dieses Projekt aus dem Koalitionsvertrag ist richtig und wichtig und muss – unkonditioniert – noch vor der Bundestagswahl ins Gesetzblatt“, sagte Hoffmann am Dienstag auf einer Konferenz zum Thema Arbeitszeit. Der Rechtsanspruch stärke auch eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitpolitik. „Aber die Selbstbestimmung muss weiter gehen: Wir erwarten auch politische Unterstützung zur selbstbestimmten Gestaltung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit sowie des Arbeitsortes“, so der DGB-Vorsitzende. „Wir brauchen flankierende Mitbestimmungsrechte, etwa beim Personalausgleich, wenn tariflich vereinbarte Arbeitszeiten regelmäßig überschritten werden oder bei der Einführung gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen.

Hoffmann sprach sich ausdrücklich für Experimentierräume aus, in denen neue digitale Möglichkeiten getestet würden, um Arbeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer besser zu organisieren. Kritisch sieht der DGB-Vorsitzende jedoch eine Experimentierklausel für das Arbeitszeitgesetz: „Eine gesetzliche Experimentierklausel zur Flexibilisierung von Ruhezeiten oder zur Ausdehnung von Höchstarbeitszeiten birgt die Gefahr missbraucht zu werden und die arbeitswissenschaftlich fundierten gesetzlichen Schutzstandards noch stärker unter Druck zu setzen.

Wie Arbeitszeit gestaltet werde, sei auch zentral für Qualifizierung und berufliche Weiterbildung. „Qualifizierung braucht Zeit und Geld. Das kann vielleicht ‚on the job‘ organisiert werden, darf aber nicht ‚on top‘ bedeuten“, sagte Hoffmann. „Die Beschäftigten brauchen Angebote zur beruflichen Weiterbildung. Nur so können wir Ängsten, zu „digitalen Verlierern“ zu werden, glaubwürdig begegnen. Das sollte die Politik nicht unterschätzen.

 

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Quelle oder Autor wird am Ende des Textes angegeben. Profilbild: Retro old typewriter with paper sheet © Maksim Kostenko (Fotolia.de)

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