Samstag, November 25, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Ist die Abschaffung der 500 € Banknote der Weg zum Bargeldverbot?

500 EUR - Foto Jan_S (Fotolia.de)

500 EUR – Foto Jan_S (Fotolia.de)

Im Rahmen der Ankündigung der Abschaffung der 500 EUR Banknoten entbrannte sich wieder das Thema des generellen Verbots von Bargeld. Warum diese Sorgen nicht ganz unbegründet sind, insbesondere im Hinblick auf die noch immer nicht gelöste Finanzkrise, soll hier in einer einfachen Form dargestellt werden.

Zunächst wird die 500 EUR Banknote nicht einfach aus dem Verkehr gezogen, sondern die Ausgabe bis 2018 sukzessive eingestellt, wobei die jeweils noch im Umlauf befindlichen 500 EUR Banknoten als Zahlungsmittel gültig bleiben. Es besteht jetzt also kein Grund die 500 EUR Scheine zu scheuen, sofern man sich ein wenig mit den Sicherheitsmerkmalen auskennt, was generell ja nicht schaden kann.

Blick nach Europa | Beunruhigend sind die Entwicklungen bei unseren europäischen Nachbarn. So gibt es bereits in fast allen europäischen Ländern Bargeldgrenzen.

So ist auch in Deutschland eine Bargeldgrenze von 5.000 EUR in der Diskussion.

In Schweden geht das Ganze schon einen Schritt weiter: Immer mehr Schweden lassen sich s.g. RFID-Chips einpflanzen, mit denen u.a. auch bargeldlos gezahlt werden kann bzw. bald muss. Somit ist der Mensch dort weitestgehend gläsern.

Ist das die Welt in der wir leben wollen?

Abschaffung des Bargeld als Endziel? | Ja. Man kann davon ausgehen, dass es weitere und massivere Angriffe auf das Bargeld geben wird. Hauptangriffspunkt wird wohl die Bequemlichkeit der Leute sein. Natürlich bringt der bargeldlose Zahlunsgverkehr eine Reihe von Vorteilen mit sich. Aber dem steht auch eine Reihe von Gefahren gegenüber. Insbesondere die Freiheit läuft Gefahr auf der Strecke zu bleiben. Aber das ist nur eine der möglichen Folgen.

Die offiziellen Begründungen zur Bargeldeinschränkung / -abschaffung sind auf den ersten Blick plausibel. So sagt man, will man damit Steuerbetrug, Geldwäsche und so manche Kriminalität bekämpfen und ausschalten. Dies mag vielleicht zum Teil gelingen. Aber um welchen Preis? Und ist das denn die wirkliche Motivation dafür,  oder stecken dahinte weit größere Motive, welche natürlich nicht öffentlich kommuniziert werden können.

Die wahren Gewinner der Finanzkrise haben sicher keine Koffer mit Bargeld umhergetragen. 

Wahre Motivationen hinter einem möglichen Bargeldverbot Im Angesicht der noch immer laufenden Finanzkrise wäre eine völlige Abschaffung der Hoheit des Bürges über sein eigenes Geld klar nachvollziehbar. So können Staat und Banken z.B. die gefürchteten Bank Runs unterbinden und evtll. die Sparguthaben der Bürger zur Banken- oder Staatsrettung heranziehen. In wessen Interesse und Vorteil das wäre, muss ich hier nicht näher erläutern.

Die damit einhergehende totale Überwachung (allein die Möglichkeit ist schon eine Gefahr) macht den Bürger angreifbar, gläsern und damit unfrei in seinem Handeln bzw. Konsum.

Denkt man dann mal noch etwas weiter, dass man dann z.B. unliebsame Bürger per Knopfdruck ausschalten kann, ohne dass diese dann auf Bargeld zurückgreifen könnten, dann wird mir diesbezüglich einfach sehr mulmig. Und egal wie futuristisch das klingen mag: Hat irgendeine Regierung jemals auf den Einsatz möglicher Technologien verzichtet? Ist es dann noch immer so undenkbar?

Mit der Abschaffung des Bargeld kann der normale Bürger nur verlieren, und zwar nicht nur die Wahl zwischen Bar- und elektronischer Zahlung, sondern vor allem die Hoheit über sein Geld.

Pro und Kontra Bargeld | Ob nun der bargeldlose Zahlungsverkehr der Sicherere oder überhaupt sicher ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Aber ob die Kriminialität und der Steuerbetrug durch bargeldlosen Zahlungsverkehr wirksam bekämpft werden kann, mag ich stark bezweifeln. Vielmehr sehe ich, ob mit oder ohne Bargeld, die digitale Kriminalität als eine der größten Gefahren der Zukunft. Insbesondere da der Normalbürger weder weiß, wie er sich effektiv schützen kann, noch über die entsprechenden notwendigen Ressourcen verfügt.

Auch der physische Umgang mit echtem Geld ist etwas anderes als nur digital Zahlen zu versenden. Das Gefühl für Geld ist einfach ein anderes. Gebe ich einen 10 EUR Schein aus der Hand, dann kann ich das physisch erkennen, ebenso ob das Wechselgeld passt. Was hingegen passiert wenn z.B. das Handy digital Zahlen überträgt? Stimmt stets was auf dem Display steht?

Für den bargeldlosen Zahlungsverkehr wird eine flächendeckende und damit sicher nicht kostengünstige Infrastruktur benötigt. Mehr Technik bedeutet aber auch mehr Fehler- und Angriffsmöglichkeiten. So kann ein Fehler oder ein Blackout das ganze Zahlungssystem zum Absturz bringen und jeglichen Zahlungsverkehr zum Stillstand bringen. Ein Ausweichen auf Bargeld ist dann nicht möglich.

Über den Autor

Jahrgang 1973 - gebürtiger Leipziger - Chefredakteur des Handwerkskurier

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