Freitag, September 22, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Handwerk? Nein danke!

Techniker repariert den Geschirrspüler (c) Kzenon - Fotolia

Fehlender Nachwuchs ist auch eine Imagefrage

Das Handwerk brummt. Die Zukunft sieht im Verhältnis zur restlichen Wirtschaft ziemlich rosig aus. Denn während viele Branchen ihre Hochs und Tiefs haben, ist das Handwerk weitestgehend stabil und wird immer nachgefragt.

Warum findet sich dann im Handwerk immer schwerer Nachwuchs, vor allem Nachwuchs der intellektuell ebenso ausgestattet ist wie mit motorischen Fähigkeiten? Dies gilt leider sowohl für Handwerksgesellen, für Handwerksmeister und ebenso für Handwerksunternehmer. Viele Betriebe laufen gut, finden aber keine geeigneten Nachfolger. Ebenso sind fähige Mitarbeiter oftmals Mangelware.

Dies zwingt das Handwerk mehr für die Ausbildung zu tun, was ja positiv ist. Aber auch an der Front mangelt es zunehmend an „qualifiziertem“ Nachwuchs.

Zugespitzt gesagt: „jeder, der seine acht Finger und zwei Daumen zu einer Summe von zehn addieren kann, will studieren. Man ist ja für Besseres geboren“, so ein verbreitetes Denken.

Dabei würden viele, insbesonders tüchtige und kluge, junge Menschen einen handwerklichen Beruf ausüben wollen, sich ebenso körperlich wie geistigen Herausforderungen stellen, um damit auch schon in jungen Jahren finanziell gut dazustehen, eine Familie und Zukunft aufzubauen, anstatt mit stupiden Praktikas (straff auf die 40 zugehend) keine Ahnung zu haben was man eigentlich will und warum man das tut.

Aber das Handwerk hat eben einen schlechten Ruf. Nicht wegen sich selbst, oh nein! Der Ruf liegt in einer kranken Gesellschaft voller Götzen und falscher Idole begründet. Einer Welt, in der Bankster, die sicher noch nie einen Hammer in der Hand hatten, als Leistungsträger gefeiert werden, in der schmutzige Arbeit als etwas Schmutziges gesehen wird, wo es doch nichts Saubereres als ehrliche Arbeit gibt.

Mit der (mit Verlaub) verpufften Kampagne „Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ ist es nicht getan. Da muss mehr kommen, da muss das Handwerk selbst aktiv werden. Es muss raus gehen, Werbung für sich machen und junge Menschen wieder begeistern. Es muss die fähigen Kids da abholen wo sie sind, statt zu warten dass sich Jene im Handwerksbetrieb bewerben, welche nur widerwillig ins Handwerk kommen, weil sie weder Deutschlands Superstar wurden noch für das Philosophie- oder Sozialpädagogikstudium qualifiziert waren und dann aber auch so arbeiten.

Die Zwangskammern und der ganze Apparat hat nicht nur in dem Bereich komplett versagt und dient wohl eher als Ego-Therapie anstatt dem tatsächlichen Handwerk! Auf die kann man also nicht zählen. Da muss selber gehandelt werden. Hier fragt sich, ob nicht genau da die Innungen ansetzen und sich damit aktiver attraktiver machen könnten.

Über den Autor

Jahrgang 1973 - gebürtiger Leipziger - Chefredakteur des Handwerkskurier

1 Kommentar

  1. Herr Goldberg 11. Februar 2017 at 23:09

    Warum das Handwerk so einen schlechten Ruf hat?
    Wegen Artikeln, wie diesem.

    übrigens: das Praktikum / die Praktika

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