Freitag, September 22, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Einer trage des Anderen Last

(c) Miriam Dörr (Fotolia.de)
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Das Abwälzen der Sozialkosten auf den Lohn schadet nur der Wirtschaft und bevorteilt einzelne Überpriviligierte

Haben Sie sich schon einmal gefragt warum die Sozialversicherung Sozialversicherung heißt, obwohl sich die wirklich finanziell Starken fast komplett an einer Beteiligung an den Sozialkosten drücken dürfen?

Im Prinzip ist es eine Farce. Bei den Lohnnebenkosten werden von Politik und Medien, aber auch den Gewerkschaften, von denen man oft nicht weiß auf welcher Seite sie stehen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegeneinander ausgespielt. Und hier höhlt steter Tropfen den Stein.

Man spielt die Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber aus und feilscht um halbe Prozente auf der einen oder anderen Seite, ohne zu erwähnen dass eines der Hauptgründe die sich immer mehr vor den Sozialkosten drückenden Gruppen aus meist priviligierten Menschen ist.

Da wird um halbe Prozente auf der einen oder anderen Seite gefeilscht. Wobei das völlig egal ist. Denn der Lohn muss vom Unternehmen SAMT SEINER NEBENKOSTEN erwirtschaftet werden.

Ob man es nun dem Arbeitgeber aus der Tasche nimmt, oder dem Arbeitnehmer abzieht… das Geld muss das Unternehmen MIT seinen Mitarbeitern erwirtschaften und jeder Cent der weggeht ist weniger zum verteilen da. Ob beim Lohn oder Unternehmensgewinn.

Nun soll ja die s.g. Solidargemeinschaft die Risiken des Einzelnen abfedern und sich jeder gemäß seiner wirtschaftlichen Stärke beteiligen. Soweit die Theorie. Praktisch ist das nicht ganz so. Nimmt man einen Erben der sein Einkommen aus Zins erzielt, sagen wir mal 500.000 Euro im Jahr. Daneben stellen wir einen Handwerker mit 2.000 Euro Brutto einem Alter von 38 Jahre, verheiratet, ein Kind. Der Eine zahlt auf sein Einkommen im Jahr 9.600 Euro (ca.800 im Monat) in die Sozialsystem ein. Der Andere keinen Cent. Und nun raten Sie wer wer ist. Dabei geht es nicht um Neid, nein der Erbe ist ja nicht schuld an der Sitution, es ist die Politik, welche solche Ungerechtigkeiten und Ungleichgewichte nicht etwa übersah, sondern bewusst schaffte! Bei der Steuer sieht es in dem Falle keinesfalls besser aus.

Nun leben wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Das ist ein Fakt!. Jeder ist von jedem in der Gesellschaft abhängig. Im Klartext: Fast keiner wäre ohne die Gesellschaft lebens- bzw. überlebensfähig. Insbesondere aber die finanziell besser gestellten profitieren überdurchschnittlich von dieser arbeitsteiligen Gesellschaft. Es geht auch nicht darum ob es in utopischen linksverträumten Idealgesellschaften anders wäre. Wir leben im Hier und Jetzt. Zumindest wir, die wir jeden Tag mit unserer Hände Arbeit erst einmal all das erschaffen, was dem Geld, welches man so schön verteilen, umverteilen und „abgeben“ kann, einen Wert, und damit einen Sinn geben.

Unter diesem Aspekt ist die Tatsache dass sich (meist priviligierte) Gruppen zunehmend mehr aus der sozialen Verantwortung stehlen eigentlich ein Skandal. Wie schon gesagt profitieren wir alle von einer Gesellschaft. Aber wo ist der Aufschrei? Wir lassen uns weiter gegeneinander ausspielen.

Aber auch das Plündern der Sozialkassen durch verschiedene Interessengruppen ist ein Skandal. Beispielsweise die Pharma-Industrie. Wenn z.B. der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer im Fernsehen öffentlich sagt: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.“ wurde dies aber mehr als kabarettistische Einlage belächelt, anstatt zur Revolte geführt zu haben.

Fazit | Bei immer weiter steigenden Sozialkosten muss die Finanzierung dringend überdacht und gerechter gestaltet werden. Im Moment ist die Sozialversicherung nur Teil eines Systems, welches Arm und Reich immer weiter spaltet. Wie gesagt geht es hierbei auch nicht um Neid, sondern um gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeit. Aber dazu müssen die Menschen anfangen ihren Unmut zu formulieren. Die zwangsfinanzierten s.g. Interessenverbände tun dies ja klar erkennbar nicht.

Über den Autor

Jahrgang 1973 - gebürtiger Leipziger - Chefredakteur des Handwerkskurier

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