Freitag, September 22, 2017
Der Leipziger Handwerkskurier – Unabhängig für das Handwerk in Leipzig

Eine Sache des Geschmacks – Das Bäckerhandwerk

Unsere Backwaren: täglich frisch zubereitet - von der Backstube ins Verkaufsregal. Bildquelle: Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. Fotograf: Darius Ramazani

Wer liebt ihn nicht – den Duft frischer Backwaren am Morgen. Was würden wir ohne unser täglich Brot und all die leckeren Backwaren machen? Aber zum Glück gibt es das Bäckerhandwerk – einen Ausbildungsberuf welchen wir an dieser Stelle einmal vorstellen wollen.

Der Ausbildungsberuf des Bäckers / der Bäckerin gehört zu den sehr sicheren Berufen, denn der Bedarf an täglich frischen Backwaren ist relativ unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen. Darüber hinaus blickt die Zunft auf eine jahrhunderte lange Tradition zurück, was nicht zuletzt auch die Vielfalt regional unterschiedlicher Spezialitäten aufzeigt.

Als Bäcker/-in ist man mit der Herstellung von verschiedensten Backwaren, von Brot und Brötchen, Kleingebäck, Kuchen, Desserts bis hin zu Stollen in der Weihnachtszeit vertraut. Man kennt und entwicklet Rezepte, ist mit der Qualitätssicherung und den Lebensmittelvorschriften betraut.

Voraussetzungen

Um den Beruf des Bäckers / der Bäckerin zu erlernen, wird neben der Bereitschaft früh aufzustehen, ein guter Haupt- oder Realschulabschluss erwünscht. Auch für Abiturienten steht der Beruf jederzeit offen. Für Bewerber ohne Schulabschluss sind Möglichkeiten zur Ausbildung gegeben.
Um sich aber einen optimalen Einblick zu verschaffen bietet sich ein Praktikum in einem Bäckereibetrieb an. Insbesondere für Bewerber ohne Schulabschluss können sich so Einstiegschancen deutlich erhöhen.

Die Ausbildung

Während der dreijährigen, dualen Ausbildung erlernt der Auszubildende alle Fertigkeiten, die für den Beruf benötigt werden. Dies umfasst sowohl die Praxis als auch die Theorie. So sind neben physischen Fähigkeiten auch schnelles Kopfrechnen (z.B. zum Umrechnen von Mengen an Zutaten), chemische Kenntnisse (z.b. um zu verstehen, was beim Backvorgang genau passiert), als auch Kenntnisse über Lebensmittelsicherheit wichtig.

Im praktischen Einsatz wird u.a. auch der Umgang mit den technischen Hilfsmitteln wie Ofen, Maschinen usw. erlernt. Kernpunkt ist aber die Arbeit mit Lebensmitteln allgemein als auch mit Rezepten und Gestaltung der Backwaren im Einzelnen. Teamfähigkeit ist dabei ebenso erforderlich, wie Sauberkeit und Gewissenhaftigkeit.

Interessant: Als Abiturient dauert die Ausbildung statt drei nur zwei Jahre, wobei Auzubis mit besonders guten Leistungen die Ausbildungszeit sogar auf 1,5 Jahre verkürzen können. Somit ist ein schnellerer Berufseintritt und / oder eine schnellere Fortbildung möglich.

Arbeitszeiten

Als Bäcker gehört man nicht zu den Langschläfern. Je nach Betrieb wird schon in den frühen Morgenstunden (teilweise ab 2 Uhr) angefangen zu backen. Schließlich wollen die Kunden am Morgen ein frisches und reichhaltiges Sortiment an Backwaren vorfinden.

Als Ausgleich dafür ist natürlich entsprechend früh Feierabend, so daß der Nachmittag schon individuell genutzt werden kann, während die meisten noch auf Arbeit sind.

Dabei gilt:
Auszubildende unter 16 Jahren fangen nicht vor 6.00 Uhr morgens an zu arbeiten. Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr kann die Arbeitszeit schon 5.00 Uhr beginnen und ab dem vollendeten 17. Lebensjahr ab 4.00 Uhr morgens.

Auszubildende müssen in der Regel Montags bis Freitags arbeiten, wobei eine Samstagsschicht mit einem freien Tag vergütet wird. An Sonn- und Feiertagen müssen Azubis, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in der Regel nicht arbeiten. Sollte es dennoch einmal vorkommen, so wird dies mit einem deutlichen Zuschlag zur Ausbildungsvergütung belohnt.

Ausbildungsvergütung

Die derzeitige Ausbildungsvergütung liegt im 1. Lehrjahr bei 400 €, im 2. Lehrjahr bei 500 € und im 3. Lehrjahr bei 600 €.

Karriere & Fortbildung

Natürlich gibt es eine Reihe an Karrieremöglichkeiten. So kann man sich weiterbilden, um z.B. zum Meister, Bäckereiinhaber, Betriebswirt/-in, Produktionsleiter und vieles mehr aufzusteigen. Für den, der den nötigen Ehrgeiz und Begabung hat, sind dabei unter anderem folgende Fortbildungen und Qualifikationen möglich:
Klassisch – Der Meister. Wie in fast allen Handwerksberufen ist die Meisterprüfung die wichtigste aller Weiterbildungen. Als Meister stehen einem dann alle weiteren Türen offen. Egal ob eine Selbständigkeit, ein Studium oder weitere Fortbildungen geplant sind.

Es empfiehlt sich vor der Meisterprüfung bereits ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt zu haben. Zusätzlich gibt es s.g. Meistervorbereitungskurse welche z.B. von den Fachschulen des Verbundes Akademie Deutsches Bäckerhandwerk (ADB) oder von den Handwerkskammern angeboten werden.

Eine weitere Karrieremöglichkeit ist die Prüfung zum/zur Betriebswirt/in des Handwerks. Damit wird die kaufmännische Grundlage zur Führung von Unternehmen oder zur Gründung einer eigenen Bäckerei gelegt. Die Fortbildung gliedert sich dabei in folgende vier Hauptbereiche auf:

  • Betriebswirtschaft (Planung und Organisation, Rechnungs- und Finanzwesen, Marketing)
  • Volkswirtschaft (Grundbegriffe der Volkswirtschaft, Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, Wirtschaftspolitik, EU-Binnenmarkt)
  • Personalmanagement (Personalwirtschaft, Personalführung, Personalentwicklung)
  • Recht (bürgerliches Recht, Handelsrecht, Arbeitsrecht, Steuer- und Sozialversicherungsrecht)

Studium ohne Abitur! Richtig. Um zu studieren benötigt man hier kein Abitur, denn ein Meistertitel oder ein Abschluss als Verkaufsleiter/in im Lebensmittelhandwerk qualifiziert für das Studium an einer Fachhochschule oder Universität. Dabei sind folgende Studienrichtungen möglich:

  • Oecotrophologie
  • Lebensmitteltechnologie
  • Lebensmitteltechnik mit
  • Schwerpunkt Bäckereitechnik

Darüber hinaus sind Studiengänge mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt möglich. Die Details sollten zu gegebener Zeit mit der entsprechenden Universtät abgestimmt werden, da es hier bundesweit verschiedene Zulassungsvoraussetzungen gibt.

Neben den hier genannten Fortbildungen sind eine Reihe von weiteren Qualifikationen möglich. Wer mehr dazu erfahren möchte wird von jeder Bäcker-Innung und den Handwerkskammern gern beraten. Alternativ ist die WebSite www.back-dir-deine-zukunft.de, des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. sehr zu empfehlen. Dort finden sich alle relevanten Informationen rund um den Beruf Bäcker/in.

Auf die Walz

Was ist Walz? Walz hat natürlich nichts mit Walzer oder walzen zu tun.

Der Begriff Walz stammt aus dem Mittelalter und benennt einen alten traditionellen Brauch von Handwerksgesellen/innen, welche für drei Jahre und einen Tag die Heimat verlassen, auf Wanderschaft durch Land und Welt gehen und dabei von Betrieb zu Betrieb wechseln, wo sie jeweils eine Weile mitarbeiten und dabei natürlich vieles lernen. Dabei reist der Geselle / die Gesellin meist zu Fuß oder per Anhalter, mit kleinem Gepäck, ohne modernen Schnickschnack wie Handy, Computer oder gar eigenem Auto.

Damit ist die Walz nicht nur ein idealer Weg sich in seinem Beruf über die lokalen Grenzen hinaus fortzubilden, sondern ein Abenteuer für junge Menschen, welches einem ein Leben lang in Erinnerung bleibt und natürlich auch die Persönlichkeit prägt.

Bäckereifachverkäufer/in

Neben dem Berufsbild Bäcker/in sei auch noch kurz auf die Ausbildung zum / zur Bäckereifachverkäufer/in (Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk – Schwerpunkt Bäckerei) hingewiesen. Als Bäckereifachverkäufer/in steht man im direkten Kontakt mit dem Kunden, weshalb neben der anspruchsvollen Präsentation, Dekoration und Anrichtung von Backwaren der Verkauf im Mittelpunkt der Tätigkeit steht. Hierbei sind natürlich fundierte Fachkenntnisse zum Bäckereiprodukt als auch die Freude am Umgang mit Menschen elementar.

Auch hier sind u.a. mit der Qualifikation zur Verkaufsleiter/in, welche die Möglichkeit eröffnet eine leitende Positionen zu erreichen, Karrierewege gegeben. Die dafür notwendigen Vorbereitungslehrgänge kann man z.B. in Vollzeit oder berufsbegleitend belegen.

Das Bäckerhandwerk live erleben

Für Kurzentschlossene bietet die Gläserne Bäckerei in Leipzig auf der mitteldeutschen Handwerksmesse 2013 die Möglichkeit, in Halle 2 am Stand E33 den Bäckern bei der Arbeit live zu zusehen und in einen persönlichen Austausch zu treten. Dabei kann man quasi an der Quelle viele Informationen zum Berufsbild und den Möglichkeiten der Qualifikation erfahren.

Die mitteldeutsche Handwerksmesse findet auf dem neuen Leipziger Messegelände vom 9. bis 17. Februar statt.
Marc Opre
mit der freundlichen Unterstützung durch den
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V.

 


 
Zentralverband des
Deutschen Bäckerhandwerks e. V.
Neustädtische Kirchstr. 7 A
10117 Berlin

Telefon: 030 / 20 64 55-0 ·
Fax: 030 / 20 64 55-40
E-Mail: zv@baeckerhandwerk.de
Internet: www.baeckerhandwerk.de

Nachwuchskampagne
„Back Dir Deine Zukunft“
www.back-dir-deine-zukunft.de

Bäckerinnung Leipzig
Bitterfelder Straße 7/9
04129 Leipzig

Telefon: 0341 90486-0
Fax: 0341 90486-20

Über den Autor

Jahrgang 1973 - gebürtiger Leipziger - Chefredakteur des Handwerkskurier

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